Adipositas-Zahlen Weltweit: Regionale Ungleichheiten

August 27, 2026

Seit vielen Jahrzehnten wird Adipositas als eine „weltweite Epidemie“ bezeichnet, die alle Länder und Bevölkerungsgruppen erfasst hat. Allerdings belegt eine aktuelle Studie, dass die Statistiken viel differenziertere Aussagen erlauben – und dass es in einigen Fällen tatsächlich eine Stabilisierung bei bestimmten Fällen gibt, die Zahl der betroffenen Personen jedoch sehr hoch bleibt. Deshalb ist ein Projekt wie das Programm zur Adipositas-Prävention von BNP Paribas Cardif so wichtig, genauso wie die Arbeit seiner internationalen Partner.

Im Mai 2026 veröffentlichte die Zeitschrift Nature eine weltweite Studie, die von einem internationalen Team mit fast 2.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern (dem Netzwerk NCD Risk Factor Collaboration) koordiniert und von Professor Majid Ezzati (Imperial College London) geleitet wurde. Im Rahmen dieser Studie wurden die Statistiken zu Fettleibigkeit in 200 Ländern und Regionen mit mehr als 232 Millionen Teilnehmenden über den Zeitraum zwischen 1980 und 2024 ausgewertet. Zu welcher Schlussfolgerung kamen sie? Auch wenn die Zahlen in den entwickelten Ländern sich tendenziell verlangsamen, sich stabilisiert haben oder sogar leicht zurückgehen, beschleunigt sich der Trend in den weniger reichen Ländern weiterhin mehr oder weniger schnell. So entstehen die Ungleichheiten in Bezug auf Adipositas.

REICHE LÄNDER: STABILITÄT, DIE ABER NUR MIT VIEL MÜHE ERREICHT WURDE

In den meisten entwickelten Ländern haben sich die Adipositaszahlen nach einem schnellen Anstieg gegen Ende des 20. Jahrhunderts inzwischen verlangsamt und manchmal sogar stabilisiert. Dieser Trend wurde zuerst bei den Schulkindern und rund 10 Jahre später auch bei den Erwachsenen beobachtet. In den betroffenen Ländern vollzog sich die Wende Anfang der 1990er Jahre zuerst in Dänemark und danach, im Laufe des Jahrzehnts, in anderen Ländern wie der Schweiz, Belgien oder Deutschland.

In Frankreich, Italien oder Portugal, also in Ländern, in denen die Partner unseres Programms tätig sind, zeigte sich erst in den 2000er Jahren eine Stabilisierung der Zahlen. Allerdings bedeutet eine Konsolidierung nicht unbedingt, dass die Zahlen der betroffenen Personen auf internationaler Ebene zurückgehen: In Frankreich betrifft die Fettleibigkeit im Kindesalter 3 bis 4 % der Mädchen, sie erreicht jedoch zum Beispiel in den USA, wo 23 % der Jungen betroffen sind, sehr viel höhere Werte.

Bei den Erwachsenen wird anhand der Statistiken derselbe Trend deutlich, allerdings rund 10 Jahre später als bei den Kindern. In einigen Ländern, wie zum Beispiel in Spanien, zeigen die Zahlen sogar einen Rückgang der Fettleibigkeit bei den Erwachsenen.

ENTWICKLUNGSLÄNDER: EINE BESORGNISERREGENDE ZUNAHME

In Asien, Lateinamerika, Afrika oder auf den Inseln in der Karibik und im Pazifik werden ganz unterschiedliche Zahlen festgestellt. Adipositas hat hier im Studienzeitraum bei Kindern und Jugendlichen wie bei den Erwachsenen deutlich schneller zugenommen. Sogar in Regionen wie Subsahara-Afrika und Südostasien, die häufiger von Problemen im Zusammenhang mit Unterernährung betroffen sind, ist eine steigende Tendenz zu beobachten.

Am problematischsten ist weiterhin das Tempo dieser Beschleunigung. Bei den Erwachsenen war 2024, im letzten Jahr der Studie, der Anstieg der Adipositaszahlen bei den Frauen in 84 der 200 untersuchten Länder und bei den Männern in 109 der 200 Länder am höchsten. In bestimmten Regionen Mitteleuropas (unter anderem in Rumänien und Tschechien) und in Brasilien sind 30 bis 40 % der erwachsenen Bevölkerung von Fettleibigkeit betroffen, mehr als in den westeuropäischen Ländern.

WARUM GIBT ES DIESE UNTERSCHIEDE?

Dem Forscherteam der Studie zufolge sind die wirtschaftlichen Ungleichheiten und die Veränderungen des Essverhaltens die offensichtliche Ursache. Die Verfügbarkeit, der Preis und die Verwendung verschiedener Lebensmittel ermöglichten es in den entwickelten Ländern, die Adipositaszahlen in den Griff zu bekommen, doch in den weniger entwickelten Ländern wurden diese Hebel noch nicht ausreichend genutzt.

Laut dem Studienleiter Prof. Majid Ezzati erlauben diese Zahlen die Feststellung, dass der Anstieg von Fettleibigkeit nicht unvermeidlich ist, es jedoch wichtig ist, Programme und rechtliche Rahmenbedingungen einzurichten, mit denen diese Epidemie gebremst werden kann. Es handelt sich also nicht um ein weltweites Problem, sondern um unterschiedliche Sachverhalte, für die jeweils eine besonders angepasste Lösung erforderlich ist. Deshalb arbeiten wir mit unserem Programm in allen beteiligten Ländern mit lokalen Partnern, Vereinen und Institutionen zusammen. Diese Vielfalt der Allianzen ermöglicht es, die spezifischen Bedürfnisse der verschiedenen lokalen Bevölkerungsgruppen genau zu identifizieren und dadurch Lösungen zu entwickeln, die tatsächlich an jeden Kontext und jede Region angepasst sind.