Adipositas im Juni 2026: Aktuelles

Juni 29, 2026

Im Mittelpunkt des Europäischen Adipositas-Kongresses (ECO) standen die Herausforderungen, vor denen wir aufgrund von hochverarbeiteten Lebensmitteln und sozialen Ungleichheiten angesichts ständig steigender Fallzahlen stehen. In den USA zwingt die zunehmende Verbreitung von GLP-1-Behandlungen („Abnehmspritze“) die Restaurants inzwischen zu einer Anpassung ihres Speisenangebots. In Frankreich stehen besonders die Fastfood-Ketten in der Kritik, was erneut die sozioökonomischen Probleme beim Zugang zu Lebensmitteln von hoher Qualität verdeutlicht.

Las conclusiones de la ECO: hacer frente a los alimentos ultraprocesados

Der Europäische Adipositas-Kongress versammelte im Mai 2026 in Istanbul mehr als 4000 Teilnehmende (Ärzte, Forscher, Industrievertreter, Vertreter der Gesundheitsbehörden …). Zu den wichtigsten Strategieachsen zählten die Referenten Maßnahmen gegen die Allgegenwart hochverarbeiteter Lebensmittel sowie politische Maßnahmen, die ergriffen werden können, um den Einfluss der großen Lebensmittelkonzerne zu begrenzen. In erster Linie sollten sie auf die Kinder, aber auch auf die ärmeren Bevölkerungsgruppen abzielen.

Präventive Maßnahmen müssen daher gezielt auf diese Gruppen ausgerichtet sein, die auch am intensivsten durch das Marketing und die Preisgestaltung von hochverarbeiteten Lebensmitteln umworben werden. Zur Erinnerung: Diese Produkte, die auch als UPF (Ultra-Processed Food) bezeichnet werden, sind Nahrungsmittel mit einem hohen Gehalt an Zucker, Fett und Salz, die zahlreiche Inhaltsstoffe enthalten und chemischen Prozessen unterzogen wurden, um ihren Geschmack oder ihre Textur zu verändern. Sie werden entwickelt, um erschwinglich und lange haltbar zu sein, haben aber einen geringeren Nährwert und sind oft sogar schädlich, vor allem, wenn sie in größeren Mengen verzehrt werden. Es wird geschätzt, dass Lebensmittel dieser Art in Frankreich mehr als ein Drittel der durchschnittlichen täglichen Kalorienzufuhr ausmachen.

GLP-1-Präparate beeinflussen das Speisenangebot im Restaurant

Schätzungen zufolge wird in den USA jeder achte Erwachsene mit einem der neuen Semaglutid-Präparate, genannt GLP-1, behandelt. Diese Medikamente (Ozempic, Mounjaro, Wegovy …) beeinflussen das Sättigungsgefühl und ermöglichen deshalb einen schnellen Gewichtsverlust. Die Moleküle haben erhebliche Auswirkungen auf den Appetit und die Verdauung, was sich wiederum direkt auf die Ernährung der Patienten auswirkt. Die amerikanische Lebensmittelindustrie hat bereits begonnen, ihre Produkte an die veränderte Nachfrage anzupassen. Nun wird vor allem von den Restaurants erwartet, dass sie die Wünsche dieser neuen Kundengruppe erfüllen, die sich kleine Portionen proteinreicher und leicht verdaulicher Speisen wünscht. In einer Branche, die sich aufgrund der Inflation bereits in einer Krise befindet, sehen sich viele Restaurants gezwungen, ihre Menüs anzupassen, um kleinere Portionen anzubieten.

Frankreich: Bürgermeister gegen Fastfood

In der Pariser Vorstadt Saint-Ouen entbrannte ein Streit zwischen dem Rathauschef und einer Fastfood-Kette, die auf Hähnchen spezialisiert ist. Der Bürgermeister verweist darauf, dass solche Restaurants in den Einkaufsstraßen überall zu finden sind, und betont seinen Wunsch, dass die junge Bevölkerung seiner Stadt Zugang zu einer Ernährung von „höherer Qualität“ bekommt. Die Medien berichteten wiederholt über diesen Fall, der auf eine besorgniserregende Situation in Frankreich und anderen Ländern hinweist: die starke Zunahme von Fettleibigkeit bei Jugendlichen. In den Arbeitervierteln nehmen die Fastfood-Ketten überhand, wodurch sogenannte „Ernährungssümpfe“ (engl. Food Swamps) entstehen, in denen es viel einfacher ist, sich preisgünstig, aber wenig ausgewogen, das heißt ungesund zu ernähren, als ein gesundes Ernährungsangebot zu finden.

Als Antwort auf dieses Problem haben einige Kommunen in Frankreich mit der Carte Vitale Alimentaire eine „Lebensmittel-Krankenkarte“ eingeführt. In Anlehnung an die Krankenkarte soll diese noch nicht weit verbreitete Initiative jedem Bürger monatlich den Zugang zu einem zugelassenen Lebensmittelangebot im Wert von 150 Euro gewährleisten. Dieses Programm wird durch einen einheitlichen Sozialbeitrag finanziert und demokratisch von lokalen Kassen verwaltet, die von einer nationalen Instanz koordiniert werden. Beim Europäischen Adipositas-Kongress wurde darauf verwiesen, dass beim Kampf gegen Übergewicht vor allem die wirtschaftliche und soziale Situation berücksichtigt werden muss.

Der Text wurde übersetzt aus dem Französischen