Der Nutri-Score Entschlüsselt

Quelle: Nutriactis/ dem Universitätsklinikum CHU Rouen-Normandie

Nutri-score

Wir alle haben den Nutri-Score schon auf vielen Alltagsprodukten gesehen: Müsli, Joghurt, Fertiggerichte … Dieses farbige Logo soll die Nährwertinformation vereinfachen und den Verbrauchern helfen, fundiertere Entscheidungen zu treffen. Doch welche Mechanismen dienen zur Bewertung der ernährungsphysiologischen Qualität und wie zuverlässig sind sie?

In diesem Artikel haben wir alle wichtigen Informationen zusammengefasst, damit Sie besser verstehen, was sich hinter dem Nutri-Score verbirgt.

Der Nutri-Score, den Sie auf der Vorderseite der Verpackung finden, wurde vom wissenschaftlichen Team von Prof. Serge Hercberg entwickelt, um das Lesen der Nährwertangaben auf Lebensmitteln zu vereinfachen und den Verbrauchern durch eine einfach zu verstehende Grafik zu helfen, gesündere Kaufentscheidungen zu treffen.

Der Nutri-Score basiert auf einer Skala von fünf Farben mit fünf Buchstaben:

Die Berechnung des Nutri-Score

Die Berechnung ist identisch für alle Lebensmittel, mit Ausnahme einiger Sonderfälle, für die angepasste Berechnungsmethoden festgelegt wurden.

Die berücksichtigten Nährwertkriterien sind in 2 Kategorien unterteilt:

Die Sonderfälle

Spezielle Anpassungen des Algorithmus wurden für Getränke, Käse sowie für zugesetzte Fette und Nüsse vorgenommen. Diese Anpassungen sollen die Vielfalt des Nährwertprofils innerhalb dieser Lebensmittelgruppen besser sichtbar machen und eine bessere Einhaltung der Ernährungsempfehlungen des Gesundheitswesens gewährleisten.

Zum Beispiel wird bei Getränken das Kriterium „Süßstoffe“ zu den Kriterien für „Nur selten konsumieren“ hinzugefügt.

Sie können den Nutri-Score selbst mit dem Algorithmus testen, der auf der Website Santé publique France abgerufen werden kann.

Beispiel

Die Einführung des Nutri-Score

Der Nutri-Score wurde 2017 in Frankreich eingeführt und seitdem von mehreren europäischen Ländern übernommen: Belgien, Schweiz, Deutschland, Spanien, Niederlande und Luxemburg.

Der Nutri-Score ist keine Pflichtangabe; Unternehmen, die ihn auf ihren Produkten anbringen wollen, müssen dies bei Santé publique France beantragen und genehmigen lassen.

2023 überarbeitete der europäische wissenschaftliche Ausschuss des Nutri-Score seinen Algorithmus, um die aktuellen Ernährungsempfehlungen besser widerzuspiegeln. Dieser neue Nutri-Score wird in Frankreich seit März 2025 verwendet.

Der überarbeitete Algorithmus ermöglicht eine bessere Anpassung des Nutri-Score an die Ernährungsempfehlungen, da die Vorgaben von 63 % auf 85 % angehoben wurden.

Die Bewertungskriterien wurden angehoben: Zuckerhaltige Getränke, bestimmte Fertiggerichte und Produkte mit hohem Anteil minderwertiger Fette werden schlechter bewertet, während Lebensmittel mit guten Fetten wie bestimmte Ölen höher bewertet werden. Beispiele sind:

Gut zu wissen: Der auf der Verpackung angegebene Nutri-Score ist nicht immer auf dem neuesten Stand. In der Übergangszeit kann ein neues Logo mit dem Hinweis „Neue Berechnung“ die aktualisierte Berechnung des bisherigen Nutri-Score anzeigen, bis alle Produkte aktualisiert wurden.

Um den Nutri-Score im Alltag besser nutzen zu können, ist es wichtig, seine Grenzen zu kennen. Mit den folgenden Informationen können Sie die Grenzen des Nutri-Score besser verstehen:

Verarbeitungsgrad: ein vergessenes Kriterium

Der Verarbeitungsgrad der Lebensmittel wird bei der Berechnung der Punktzahl nicht direkt berücksichtigt. Er hat jedoch einen direkten Einfluss auf unsere Gesundheit, insbesondere durch die Veränderung der Struktur von Lebensmitteln und etwaige Zusatzstoffe;

100 g ≠ Ihr Teller

Der Nutri-Score wird auf 100 g oder 100 ml eines Produkts berechnet, was nicht immer den tatsächlich verzehrten Portionen entspricht. Ein Produkt mit C oder D mag ungünstig erscheinen, kann aber in eine ausgewogene Ernährung passen, wenn es in kleinen Mengen verzehrt wird, z. B. ein Stück Käse, ein Stück dunkle Schokolade oder etwas Nussöl. Umgekehrt sollte ein mit A oder B gekennzeichnetes Produkt nicht unbegrenzt konsumiert werden.

Einige wichtige Nährstoffe werden nicht berücksichtigt

Die Klassifizierung berücksichtigt nicht direkt den Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen, die für das gute Funktionieren des Körpers unerlässlich sind.

Süßungsmittel werden nicht berücksichtigt

Der Nutri-Score vergibt keinen Abzug bei der Verwendung von Süßstoffen in festen Lebensmitteln, während ihre Verwendung in Getränken zu Minuspunkten führt.

Die schwierige Beurteilung der Fette

Der Nutri-Score stößt an Grenzen bei seiner Fähigkeit, die Produkte nach der Art der enthaltenen Fette zu unterscheiden (pflanzlich vs. tierisch, gesättigt vs. ungesättigt). Bei Käse beispielsweise weisen einige wissenschaftliche Studien darauf hin, dass die derzeitigen Kriterien des Nutri-Score nicht immer die tatsächlichen Auswirkungen dieser Fette auf die Gesundheit, insbesondere das Herz-Kreislauf-System widerspiegeln.

Vollkorn vs. raffiniertes Getreide

Der Nutri-Score unterscheidet nicht immer ausreichend zwischen Vollkornprodukten und raffiniertem Getreide. Zum Beispiel können Nudeln aus raffiniertem Mehl einen Nutri-Score A ausweisen, während Vollkornnudeln ein weitaus besseres Ernährungsprofil haben und für die Gesundheit besser sind.

Wirksamkeit und Verständlichkeit

Aktuelle Studien legen nahe, dass der Nutri-Score langfristig nur einen geringen Einfluss auf die Wahl der Lebensmittel hat, da die Verbraucher sich statistisch nicht signifikant für besser eingestufte Produkte entscheiden.

Der Nutri-Score ist ein praktisches Hilfsmittel, um Produkte in einem Regal schnell zu vergleichen. Er darf jedoch nicht als ein absoluter Indikator für gesündere Lebensmittel angesehen werden. Er kann Ihnen aber helfen, ausgewogenere Entscheidungen zu treffen, umso mehr, wenn Sie gleichzeitig die Etiketten aufmerksam lesen und ihn für eine abwechslungsreiche Ernährung nutzen, die Vielfalt bevorzugt und Ihren Ernährungsbedürfnissen entspricht.